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Haustier Fuchs ?

 

 

In den 1960er Jahren baute der Biologe Dmitri Belyaew eine Zuchtfarm im, damals neu eingerichteten, akademischen Viertel "Akademgorodok" (Novosibirsk, Russland) auf. Diese Zuchtfarm sollte die Grundlage für ein Experiment sein, welches versucht zu erforschen wie die Menschheit in der Vergangenheit Haus und Nutztiere züchtete.

 

Zwar wurde lange Zeit angenommen das die Domestizierung (spezielle Auswahl und Züchtung) von Wildtieren der Vorgang war mit dem unsere Vorfahren sich Ihre Haus und Nutztiere erschufen aber ein Beweis dieser Theorie lag bislang nicht vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Insitute of Cytology
and Genetics SB RAS
Im August 2008 durfte das Fuchsmuseum einen Blick in die Zuchtfarm werfen und wurde mit vielen Hintergrundinformationen zu dem Experiment und zu der Fuchsfarm versorgt. Ein persönlicher Erlebnisbericht zu dem Tag des Besuches auf der Fuchsfarm, durch Kord Wopersnow, folgt an anderer Stelle auf dieser Seite.

Füchse (hauptsächlich Silberfüchse) wurden für dieses Projekt bzw. Experiment gewählt, da sie dem Haushund sehr nahe stehen. Haushund und Fuchs werden zu den "hundeartigen" (lat. Canoidea) als Unterart eingeordnet. Das Fuchsmuseum vermutet das die Wahl auf den Fuchs auch deshalb erfolgte weil Füchse kleiner und einfacher in der Handhabung sind.
Mittlerweile beherbergt das Experiment ungefähr 1000 Füchse, welche ein Spektrum aus ca. 50 Generationen (Stand August 2008) ergeben.

Die Züchtung erfolgt dabei in beide Richtungen, also von wild zu zahm und zusätzlich von zahm zu wild. Eingeteilt werden die Füchse dabei in Kategorien ihres "Zahmheitsgrades" oder besser gesagt ihrer Stressresitenz gegenüber dem Menschen. Die Kategorien (Einteilung) werden eingestuft zwischen:

Einer der Füchse
des Institutes
         „5“
         Hohe Agressivität gegenüber Menschen und starker Stress des Fuchses bei Kontakt mit Menschen.

         „0“
         Keine Agressivität gegenüber Menschen und kein Stress bei Kontakt mit Menschen.

Eine Informationstafel zu jedem Fuchs gibt Auskunft darüber aus welcher Generation er stammt, welcher Kategorie er entspricht und wie der Name des Fuchses ist. Namen werden aber erst vergeben wenn der Fuchs einer höheren Kategorie entspricht. Beispiel einer Informationstafel:


12 / 5
"Sängerin"


Trotz verschiedener Kategorien haben alle Füchse des Experimentes eines gemeinsam, sie sind sehr interessiert an dem was in Ihrer Umgebung passiert und nehmen Neues in Ihrem Umfeld aufmerksam wahr.
Kord Wopersnow berichtet in diesem Zusammenhang das alle Füchse, auf die er zuging, immer aufmerksam schnupperten und schauten.

Die begleitende Biologin zeigte dem Besucher, Kord Wopersnow, auch einige Beispiele der verschiedenen Kategorien.


          * Ein Silberfuchs der Kategorie „5“ war dem Menschen gegenüber noch sehr ablehnend und versuchte
             nach der Hand der Biologin zu schnappen.


          * Ein Silberfuchs der mittleren Kategorie (ca. „2,5“) zeigte deutlich ablehnendes Verhalten gegenüber
             Der Biologin.

             MP4-Video - HIER
             Das Video bietet kein Audio, da zu der Zeit eine laute Maschine aktiv war.


           * Ein sehr zahmer Silberfuchs (Kategorie „0“) suchte dagegen die Nähe und Streicheleinheiten der
             Biologin.

             MP4-Video - HIER
             Das Video bietet auch Audio.


Das Experiment erforscht auch die hormonellen Zusammenhänge die mit der Züchtung der Füchse bestehen. In den frühen Jahren des Experimentes waren es hauptsächlich die weiblichen Füchse die einen Kontakt mit dem Menschen zugelassen haben. Nur wenige männliche Füchse ließen, in den Anfängen des Experimentes, einen Kontakt von Menschen zu.

Die begleitende Biologin wieß auf den Zusammenhang von Hormonen und "Zahmheit" hin und sie wieß auch darauf hin das die Füchse des Experimentes nicht auf "Zahmheit" trainiert werden. Die Reaktionen, der gezeigten Füchse, gegenüber dem Menschen waren lediglich davon abhängig welcher Kategorie sie angehören.

Kord Wopersnow berichtet in diesem Zusammenhang auch von einem Vorfall des Tages als ein Fuchs sich befreite und herum lief. Dieser Fuchs entfernte sich jedoch nicht weit, sondern blieb in einem Umkreis von etwa zehn Metern und lief zwischendurch auch durch die Beine der anwesenden Menschen hindurch. Ein Fluchtverhalten, wie es z.B. von einem wildlebenden Fuchs erwartet werden kann, konnte nicht beobachtet werden.

Der Zustand der gezeigten und beobachteten Füchse wieß auch keine negativen Auffälligkeiten auf. Alle beobachteten Füchse machten einen gesunden und wachen Eindruck. Zusätzlich wirkten Ihre Augen klar und Ihre Pfoten nicht verletzt. Eine Berührung, mit leichtem Druck, der Pfoten eines Fuchses, zeigte keine Reaktion die darauf hinwiesen das die Pfoten verletzt oder gereizt waren. Der Fuchs (aus einer niedrigen Kategorie) bleib ruhig und entspannt.

Die Nahrungsversorgung der Füchse des Experimentes setzt sich aus Wasser und einem gräulich wirkenden, etwas füssigem, Brei zusammen. Der Geruch des Nahrungsbreies wird als neutral und unauffällig beschrieben.

Die bisherigen Ergebnisse aus dem Experiment scheint die, anfangs angesprochene Theorie zu der, Entstehung der Haus- und Nutztiere zu bestätigen. Durch die Auswahl und Kreuzung (also Vermehrung) der jeweils zahmsten Füchse ergibt sich eine hohe Toleranz und Akzeptanz bei niedrigem Stressaufkommen der Füchse gegenüber dem Menschen.

Weiterhin wurde beobachtet das im Verlauf der Züchtung von zahmen Füchsen auch Veränderungen des Felles und des Körperbaues beobachtet werden können die sich sehr ähnlich verhalten wie z.B. bei den Haushunden.

Erste Veränderungen von
zahmen Silberfüchsen
zeigen sich in der
Fellzeichnung
Für gewöhnlich beginnen die Veränderungen beim Fell. Diese Veränderung zeigt sich durch einem hellen Fellfleck an der Oberseite des Kopfes eines Silberfuchses bis hin zur allgemeinen Farbveränderungen des gesamten bzw. Großteils des Felles in eine helle bis weiße Fellfarbe. Die Veränderung des Felles wird auch mit einer Veränderung des Gehirnes in Verbindung gebracht. Ein Silberfuchs mit den angesprochenen Fellveränderungen kann, bei äußerlicher Betrachtung, also als eher zahm gegenüber dem Menschen eingestuft werden. Allerdings gibt es auch einige wenige Außnahmen die trotz der benannten Fellfärbung weniger zahm gegenüber dem Menschen sind.
Zusätzlich aber auch ausschließlich zu den Fellveränderungen können sich auch Körperliche Veränderungen bei zahmen Silberfüchsen ergeben. Beobachtet wurden Veränderungen an dem Unterkiefer, Verkürzungen der Beine und/oder des Schwanzes.

Obwohl 50 Generationen von ausgewählten Silberfüchsen wahrscheinlich noch kein Beweis dafür sind das durch Auswahl der zahmsten Tiere der Mensch seine Nutztiere züchtete aber der vor Ort gewonnene Eindruck scheint diese Annahme bzw. Theorie zu bestätigen.

Natürlich stellt sich die Frage was mit den zahmen Füchsen am Ende des Forschungsprojektes geschehen soll.
Im Moment wird noch darüber beraten ob es in Zukunft neben Haushund und -Katze auch den Hausfuchs geben wird. Ausgeschlossen scheint dies jedenfalls nicht, da einige der Silberfüchse aus dem Experiment auch schon in private Haushalte übergeben wurden.

Das Silberfuchsprojekt des "Insitute of Cytology and Genetics SB RAS" wurde vor einiger Zeit auch erweitert durch ein ähnliches Projekt, welches aber mit Nerzen arbeitet. Die, mittlerweile, 15 Nerz-Generationen scheinen auch schon ähnliche Ergebnisse und Resultate zu zeigen wie das Silberfuchsprojekt.

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Quellen:
Quarks & Co | Von Hunden und Menschen | WDR | http://www.wdr.de/tv/quarks/global/pdf/Q_Hund.pdf
und persönlicher Besuch beim Silberfuchsprojekt

weiterführende Links (via Google-Suche innerhalb der Seiten des benannten Institutes):
http://www.google.com/search?ie=windows-1251&oe=windows-1251&q=Silver+Fox+Farming&btnG=Google+Search&domains=www.bionet.nsc.ru&sitesearch=www.bionet.nsc.ru